Galerie                                                      

                                                                                

Tanzen lassen/White Center

(2012)


Ich denke mir nichts aus. Ich lasse denken.

Ich bewege mich nicht. Ich lasse mich bewegen.

Ich atme nicht. Ich lasse atmen.


Wer denkt, bewegt sich, atmet an deiner Stelle?

(sagt nichts)


Inwiefern bist du an deinen Tänzen beteiligt?

Ich liefere den Rahmen.


Du gehst in den Raum?

Der Raum selbst ist es nicht.


Läuft Musik?

Nicht immer und nur ausgesuchte Musik.


Du ernährst dich gesund, schläfst ausreichend?

Es ist die Erfahrung. Ich gehe in den Wald.


Du gehst zu Parties?

Kann weg


Wer denkt für dich?

Keiner. Vielleicht die Bewegung.


Deine Bewegung übernimmt dein Denken?

Die fünfte Dimension ist: Organisation


Wer oder was entscheidet über deine Wege?

Beine, Füße, Zentrum


Wie kannst du dich sehen ohne Spiegel, ohne Kamera?

Es ist der Blick von innen, das Bewegungsgespür zum einen.

Zum anderen: der Blick von außen auf das Geschehen.

Wenn Körper und Raum fusionieren, bemerkst du Kräfte von dir ausgehen.

Übrigens funktioniert das auch im Zeitlichen, denn jede Handlung, Geste wirkt nach.

Den Spiegel weglassen unterstützt und erhöht die Sensibilität.


Auch die Sinnlichkeit?

Sogar die Übersinnlichkeit, weil die Körpersprache präziser und klarer wird.


Wodurch wirst du bewegt?

Durch Musik, im Alltag durch Situationen, auch durch Farben.

Bestimmte Reize können Stimmungen evozieren. Musik und Geräusche wirken da

rein physikalisch, ja: als Schwingungen, die unser Material erreichen.

Uns für subtile Impulse empfänglich zu machen, steht im Vordergrund, denn diese

sind der Ursprung - das Ritual, das man sich immer wieder gönnen sollte.


Wie gelingt dir das?

Der Gedanke ist da, und damit schaffe ich die nötigen Rahmenbedingungen.

In einer Probe mit der Affirmation: "Mein Körper öffnet sich fürdie Klänge der

Geige", bin ich schon nicht mehr so fest wie im Innenstadt-Inferno.

Übrigens keine Sache von ja oder nein, sondern Prozess bzw. Progress,

auf den man sich längerfristig einlassen sollte.


Stärkt das den Körper, falls ja, inwiefern?

Per Meditation gelangt man in feinere Bereiche der Wahrnehmung, und das verleiht

enorme Stärke im Sinne vonBewusstheit/ Beweglichkeit/ Schnellkraft.

Wie der Geist, so der Körper, da ist was dran. Man merkt es an der Erwärmung,

die sich ausbreitet, einfach, weil jeder Fleck im Körper involviert ist, nichts brach liegt.


Ist es die Verlangsamung um jeden Preis oder gibt es ein definitives Maß?

Verlangsamung ist am Anfang ein gutes, rein äußeres, praktisches Mittel,

um den ganzen Körper ansprechen zu können. In der Improvisation oder

im choreographischen Prozess wird das dann weiterverfolgt.

Man verlässt den Modus der Stimmigkeit nicht mehr.

Ein definitives Maß herrscht also schon. Es wird nie ein längerer Stillstand sein.

Aber man gibt den Aktionen schon Zeit, ihre Wirkung zu entfalten.


Du sprachst vorhin vom "Zentrum". Was genau ist damit gemeint?

Zentrum des Körpers ist im Innern, eine Handbreit unter dem Bauchnabel. Aber

damit arbeiten wir eigentlich nicht. Kennen Sie Bauchatmung? Das bringt Sie in Ihr

Zentrum. Alle Bewegung bis in die Peripherie aus der Mitte kommen zu lassen - das

ist das Anliegen. Da das jedoch durchgängig nicht möglich ist, denn Sie bewegen

sich/ Sie reflektieren - immer im Wechsel - man verliert immer wieder die"Eins" -,

muss die Verbindung zum Zentrum stets neu definiert, auch initiiert werden.

Den Begriff sehe ich aber nicht nur räumlich - körperlich.

Auch die Organisation ist Zentrum.

Und das sind wir nicht.

Das Zentrum ist leer.

 

Ich bedanke mich für das Gespräch.

 

<img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/7b0ec12099974a9aabbdf4901cd1b68

 [Biografie] [Repertoire] [Texte] [Aktuelles] [Lyrik] [Kontakt[Impressum]